Vorteile der Kindertagespflege

 

Individuelle Betreuung und Bindung

Säuglinge und Kleinkinder bedürfen einer besonders individuellen Betreuung. Die Kindertagespflege bietet Kindern vor allem in den ersten Lebensjahren eine familiennahe Betreuung/"eine" Bezugsperson, bei der die individuellen Bedürfnisse besonders berücksichtigt werden können. Die Nähe der Tagespflegeperson gibt ihnen stets Sicherheit und Orientierung.

Flexibilität

Ein Vorteil der Kindertagespflege durch eine Tagesmutter ist ihre hohe Flexibilität: Während die Kita feste Öffnungszeiten hat, kann man meist mit einer Tagesmutter die Betreuungszeiten individuell absprechen und darf auch mal im Stau stehen.

Persönlicher Ansprechpartner

Viele Eltern schätzen das persönliche und vertraute Verhältnis zu ihrer Tagesmutter. Nicht nur für die Kinder ist die persönliche Beziehung wichtig, auch den Eltern gibt sie Sicherheit. Während die Erzieher in einer Kita für viele Kinder und deren Eltern zuständig sind, ist die Anzahl der Kinder bei einer Tagesmutter auf höchstens fünf beschränkt.

Qualifikation

Tagespflegepersonen haben entweder die berufliche Voraussetzung, sind ErzieherIn, SPA, HeilpädagogIn... oder haben Qualifizierungskurse absolviert. Nach einer umfassenden Überprüfung der persönlichen und räumlichen Voraussetzungen ist erst eine Pflegeerlaubnis des Jugendamtes zu erhalten. Des weiteren sind Tagespflegepersonen verpflichtet, regelmäßig an Fortbildung und Erste-Hilfe-Kurse teil zu nehmen.

Bildungsauftrag

Tagespflegepersonen haben nach dem Sozialgesetzbuch VIII (§ 22 Kinder- und Jugendhilfegesetz) den gleichen Förderauftrag wie weitere Tageseinrichtungen. Er umfasst die Erziehung, Bildung und Betreuung des Kindes.

 

Um festzustellen, ob eine Krippe oder eine Kindertagespflege für Sie und Ihr Kind in Frage kommt, sollten Sie sie besuchen und sich vor Ort einen Eindruck verschaffen.

 

Fragen Sie in "Ihrer" Wunsch-Kita:
Wieviel Gesamtkosten an Krippengebühren gemäß der Betreuungsstd./Woche entstehen?

Welche Nebenkosten dazu kommen (Verpflegung Mittag, Getränke, Obst und Gemüse als Mitbringsel...)
Wieviel Personal pro Kind/er zum Mittagstisch zur Verfügung steht!
Wieviel Stunden an "ehrenamtlichen Diensten" Eltern in der gewünschten Kita verrichten müssen/sollen.
Fragen Sie, z.B. bei der Kreiseltenvertretung an, wer  welche Leistungen bezahlen muss.
Es ist Ihr gutes Recht zu fragen. 
http://www.zeit.de/2014/04/kinderbetreuung-krippen-qualitaet-karl-heinz-brisch

http://www.kinderbetreuung-landkreis-stade.de/

http://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/Grosse-Demo-fuer-mehr-Erzieher-an-Kitas,kitademo126.html
Kurzinfo der Bertelsmann-Stiftung zur Kita-Betreuung: http://www.youtube.com/watch?v=LAmj1H5mTps

Was Sie als Sorgeberechtigte über Kindertagespflege wissen sollten

 

Die Kindertagespflege(stelle) ist seit 01.08.2013 ein rechtlich "der Betreuung in öffentlichen Einrichtungen" gleichgestelltes, Betreuungsangebot für Kinder von 0 bis zum vollendeten 13. Lebensjahr. Sie steht Eltern bzw. deren Kindern als Wahlmöglichkeit zur Verfügung und erfüllt u.a. die kommunale Verpflichtung, genügend Plätze zur Sicherung des Rechtsanspruches auf Kinderbetreuung zur Verfügung zu stellen. "Die Leistungsberechtigten haben das Recht, zwischen Einrichtungen und Diensten verschiedener Träger zu wählen und Wünsche hinsichtlich der Gestaltung der Hilfe zu äußern. Sie sind auf dieses Recht hinzuweisen" (SGB VIII §5).

 

Nach §24 SGB VIII 1 und 2 sind Kinder U3 in einer Einrichtung oder in der Kindertagespflege zu fördern. Die Kindertagespflege wird als familiennahe Betreuungsform besonders zur Betreuung und Förderung von Kindern U3 Jahren genutzt, ist aber auch ergänzend zu Kindertagesstätte und Schule möglich, sofern dort keine Betreuungsplätze zur Verfügung stehen. Eltern mit mehr als einem Kind die in o.g. Einrichtungen "öffentlich" betreut werden, haben nun auch den Rechstanspruch, dass Geschwisterrabatte greifen. Hierbei wird stets das Erstgeborene zu 100% Betreuungskosten herangezogen und alle weiteren Kinder mit reduzierten Elternbeiträgen.

 

Zielsetzung des §24 ist die Förderung der Entwicklung des Kindes sowie die Ermöglichung der Erwerbstätigkeit der Eltern, um Beruf und Familie besser miteinander vereinbaren zu können. Man unterscheidet zwischen dem "Grundanspruch" und dem "erweiterten Grundanspruch". Bei letzterem ist eine Einzelfallprüfung und Anerkennung des individuellen Bedarfs notwendig. Viele Träger der Jugendhilfe schließen eine öffentliche Förderung unter 20 Std aus. Das widerspricht der bundesgesetzlichen Regelung.

 

Grundsätzlich wird der Rechtsanspruch des Grundanspruchs durch eine tägliche Betreuung von max. 4 Std an 5 Tagen i.d.Woche erfüllt. Das entspricht einer Wochenstundenzahl von 20 Betreuungsstunden. Diese können in der Tagespflege variabel genutzt werden, z..B. Mo - Do 5 Std an 4 Tagen... Unter 20 Std muss dem öff. Träger nicht nachgewiesen werden, warum Sie ihr Kind in Betreuung geben.

Der erweiterte Grundanspruch/individuelle Bedarf erfordert den Nachweis objektiver Gründe für den Mehrbedarf, z.B. Erwerbstätigkeit der Eltern (An- und Abfahrten), Aufnahme einer Erwerbstätigkeit oder Arbeitssuche, berufliche Bildungsmaßnahmen, Schul- oder Hochschulbildung einschl. Promotion, Teilnahme an Fördermaßnahmen zur Eingliederung in Arbeit. Weitere Bedarfe können sein Teilnahme an Integrationskursen, Pflege von Angehörigen, andauernde Krankheiten Erziehungsberechtigter, kindbezogener Bedarf (Veranlassung durch das Jugendamt), Ehrenamt und politische Leistungen...

 

Ist das Kind entwicklungsverzögert oder hat es anderweitigen besonderen Pflegebedarf haben sie besonderen Anspruch auf eine Förderung, deren Kosten möglicherweise durch weitere Träger wie Krankenkasse oder weiteren Förderprogrammen der Sozialgesetzgebung gedeckelt werden können.

Was kostet Kindertagespflege?

 

Mit Start des Kinderfördergesetzes (KiFöG) wurde festgelegt, dass ab 01.01.2009 Kindertagespflegepersonen vom öffentlichen Träger vollumfänglich vergütet werden und Sorgeberechtigte nur "reduzierte Elternbeiträge" (§90 SGB VIII) an den öffentlichen Träger zu entrichten haben!

 

Mit Wirkung zum 1.8.2013 wurden die Betreuungsformen Kita und Kindertagespflege "gleichrangig" gestellt, d.h. es besteht u.a. nun das freie Wunsch- und Wahlrecht zwischen beiden Betreuungsformen bei Kindern U3 Jahren (§5 SGB VIII). Hierbei wurden neben Betreuungsleistungen auch die Betreuungskosten der Elternbeiträge mit vergleichbaren Recht versehen. D.h. Sie müssten für die Betreuung Ihres Kindes/Ihrer Kinder in der Tagespflege sozialverträglich nicht unerheblich mehr als in der Kita/Krippe bezahlen (und umgekehrt)  zzgl. Verpflegungskosten je nach Pflegestelle. (siehe Kreis Pinneberg jährliche Staffelbeiträge zur Betreuung in der Kita)


Ab dem 3. LJ hat die Kita laut Gesetz vorrangiges Recht Kinder zu betreuen. Kann die Kommune keine Kita-Plätze bei Ü3-jährigen vorhalten, kann auch dies gefördert in der Kintertagespflege erfolgen! Evtl. Mehrkosten müssten von der Kommune getragen werden, wenn Kita- oder Hortplätze... nicht vorgehalten werden können.

 

Ausgenommen sind privatrechtliche Verträge ohne Antrag einer öffentlichen Förderung. Hier müssen die Gesamtkosten der Betreuung durch die Sorgeberechtigten getragen werden.

Mehr Info zu Ihren Rechtsansprüchen: (http://www.kindergartenpaedagogik.de/2268.html)

 

Varianten der Kindertagespflege

 

In der Regel betreut eine Kindertagespflegeperson bis zu fünf Kinder gleichzeitig. Kindertagespflege zeichnet sich durch hohe Flexibilität und durch eine individuelle Betreuung in kleinen Gruppen aus. Um Kinder in Tagespflege betreuen zu können, ist eine Pflegeerlaubnis gem. §43 SGB VIII nötig. (http://dejure.org/gesetze/SGB_VIII/43.html).

Kindertagespflege wird ausgeführt

  • im eigenen Haushalt oder in angemieteten Räumen
  • in einem Betrieb/Unternehmen (Betriebskita)
  • als Angestellte/Nanny im Haushalt der Sorgeberechtigten
  • als Angestellte bei freien Trägern der JH//Wohlfahrtsverband i.d. Kita oder auch Privathaushalt

Nach SGB VIII ist es auch möglich im Verbund zu arbeiten:

  • Tagesmutter-Zusammenschluss
    Hier können 2-Kindertagespflegepersonen in angemieteten jedoch "getrennten" Räumen jeweils bis zu
    5 Kinder gleichzeitig pro Tagespflegeperson betreuen. Hat den Vorteil, dass die Kinder im Vertretungsfall in vertrauter Umgebung und vertrauter Betreuungsperson betreut werden könnten.
  • Großtagespflege (Mini-Kita, kindergartenähnl. Einrichtung auch institutionelle Kindertagespflege genannt)
    Eine Großtagespflege findet in "gemeinsamen" Räumen statt. Hierbei muß eine der beiden betreuenden Personen einen pädagogischen Ausbildungsstatus vorweisen. Diesen hat die/der ErzierherIn, SozPädAss, HeilpädagogIn usw. Bei Fremdberuflern ist z..B. die Ausbildung zur Fachkraft für Frühpädagigik gekoppelt derzeit mit dem Curr. des DJI (160 Std TP-Ausbildung) ausreichend. Der Betreuungsschlüssel ist der Kinderkrippe anzulehnen (max. 8 Kinder für beide Betreuer)

Die Großtagespflege ist im Landesrecht SH in der "Landesverordnung über Mindestanforderungen für den Betrieb von Kindertageseinrichtungen und für die Leistungen der Kindertagespflege" (Kindertagesstätten- und tagespflegeverordnung - KiTaVO) zu finden, jedoch nicht als solches tituliert.  Als "Konkurrenzunternehmen" zur Kita ist diese Form der Betreuung nicht gern gesehen. Somit finden bisweilen viele Anträge der Kindertagespflegepersonen keine Zustimmung oder viel Kritik durch die öff. und freien Träger der Jugendhilfe. Aus wirtschaftlichen Gründen sollen die Kitas ausgelastet sein - so wüschen es häufig Kommunen und Politik! Paradox in Anbetracht des Fachkräftemangels in Kitas. Es ist auch für Kommunen/für den Steuerzahler unverhältnismäßig, wenn z.B. in kleinen agbelegenen Gemeinden mit geringer Bevölkerungsdichte eine Kita möglicherweise keine Auslastung bekommen kann und evtl. auch nicht die Flexibilität notwendiger Betreuungszeiten abgedeckt werden kann.

Was fördert/unterstützt der Gesetzgeber?

 

Die öffentliche Förderung

Die Bundesregierung hat im Kinder- und Jugendhilfegesetz in §24 SGB VIII den Rechtsanspruch auf Förderung in Tageseinrichtungen und in Kindertagespflege formuliert und bereits Ende 2007 mit der Errichtung eines "Sondervermögens" 2,15 Milliarden Euro für Investitionen in Betreuungsplätze für Kinder U3 Jahren bereitgestellt. Über die Änderung des Finanzausgleichgesetzes erhalten die Länder vom Bund für die Jahre 2009 bis 2013 insgesamt 1,85 Milliarden Euro für Betriebskosten und anschließend jährlich 770 Millionen Euro. Nachdem der Ausbau der Kinderbetreuung abgeschlossen war, hat das Gesetz ab 1.8.2013 einen Rechtsanspruch (http://dejure.org/gesetze/SGB_VIII/24.html) auf einen Betreuungsplatz für alle Kinder ab dem 1. Lebensjahr vorgesehen.

 

Das Bundesministerium f. Fam., Sen., Frauen u. Jugend, der Bundesverband für Kindertagespflege sowie die Berufsvereinigung für Kindertagespflege wünschen und fördern zur Qualitätssicherung ergänzend ausdrücklich den Zusammenschluss in der Kindertagespflege.

 

Der Bund stellt neben der Schaffung von "Markt-gewünschten Betreuungsformen" die Fördergelder zur Verfügung und diese sind für Betriebskosten U3 auf die Kommunen umzuverteilen (= Sieht der regionale Markt Mehrbedarf in Tagespflege oder in der Kita, sind die Mittel entsprechend  einzusetzen).

Im Kreis Pinneberg hat der Fachdienst Jugend in Zusammenarbeit mit der Komunalpolitik (Jugendhilfeausschuss und Kreistag) sich besondere Schachzüge einfallen lassen, damit Fördergeldfluss und Betreuungskosten unter Kontrolle bleibt und nicht allein Entscheidung der Sorgeberechtigten wird:

1.  Zunächst wurde das Wunsch- und Wahlrecht der Eltern (SGB VIII §5) rechtswidrig untergraben. Die Richtlinie ab 08.2014 verlangt, dass erst nach Vorlage von Absagen aller Kitas in einer Wegezeit von 30min (im Kreis PI) ein Kind eine öffentliche Förderung in der Tagespflege bekommen kann.

 

2. Das Antragsformular zur Erstattung von Differenzkosten des Kreises Pinneberg stellt im Text geschickt einen kleinen Satz, der Weichen stellt und fatale Folgen aller Beteiligten nach sich zieht: "Ich bestätige...dass die Betreuung in einer Kindertageseinrichtung die gewünschte Betreuungsform ist..." 
Zunächst bestätigen Eltern per Unterschrift damit, dass ihr Kind sofort (ohne Rücksicht auf Kündigungsfristen) aus der Tagespflege genommen werden kann, sobald in "irgendeiner Kita in Pi" ein Platz frei wird und eliminieren zugleich ihr Wunsch- und Wahlrecht. Zum Anderen stellen sie somit die Weichen, dass die Kita vorrangig behandelt wird und die Fördermittel primär in den Ausbau der Kitas gelenkt wird.

Dieser Passus sollte bewusst bei Antragstellung von ihnen gestrichen werden, wenn sie ihr Kind in der Tagespflege betreut haben möchten und sich dieser Steuerung nicht unterwerfen möchten! Den Anspruch auf die öffentliche Förderung in der Tagespflege verlieren sie dadurch nicht! Eine durch Eltern beauftragte Normenkontrolle/Klage ist gegen diese Vorgehensweise bereits eingeleitet worden.

 

Steuererleichterung

Die Betreuungskosten ihres Kindes/ihrer Kinder sind steuerlich absetzbar (EStG §10 Abs1 Nr5). Alle berufstätigen Paare sowie berufstätig Alleinerziehende können z.B. 2/3 ihrer Kinderbetreuungskosten (0 bis 14 jährige) als Sonderausgaben, Betriebsausgaben oder Werbungskosten absetzen - bei max. 6.000 € Betreuungskosten (abzüglich Material und Verpflegung) entspricht dies 4.000 €. Bei nicht Verheirateten kann jeder die selbst getragenen Kosten bis 3.000 € max. 2.000 € beantragen.

Was passiert, wenn die Pflegestelle geschlossen ist?

 

Anlass: Urlaub, Schließzeiten (Renovierung), Bildungsurlaub, Krankheit

Jede päd. Fachkraft/Betreuer braucht betreuungsfreie Erholzeiten. Die Länderregelung bestimmt die jährliche Fortbildungspflicht der Kindertagespflegeperson. Diese werden mit den Eltern frühzeitig abgesprochen. Können Sorgeberechtigte die Betreuung ihres Kindes nicht privat sicherstellen, kann das Kind vertretungsweise betreut werden. Das gleiche gilt natürlich auch für kurzfristigen Ausfall durch Krankheit. Formulare zur Administration sind der Website des Kreises Pinneberg zu entnehmen.

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